Häufige Erkrankungen: Wann zum Arzt, wann zu Hause bleiben?

Lächelndes Kind bekommt Fieber am Ohr gemessen

Die Entscheidung, wann bei einer akuten Erkrankung ein Besuch in unserer Praxis notwendig ist, ist nicht immer einfach. Bitte beachten Sie daher unsere Hinweise zu den häufigsten Gründen, die zu einer Vorstellung führen.

Wichtiger Hinweis

Die folgenden Hinweise sind nur eine Hilfestellung und decken nicht jeden medizinischen Einzelfall ab. Daher liegt im Zweifelsfall die Verantwortung bei Ihnen, Ihr Kind einem Arzt vorzustellen, wenn Sie den Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung haben!

Bitte beachten Sie auch unsere Hinweise zu Attesten und Regelungen für Wiederzulassung zu Schule und Kindergarten

Fieber

Fieber tritt bei Kindern häufig auf und wird meistens durch eine Infektion mit Viren oder Bakterien verursacht. Entscheidend ist dabei nicht die Höhe des Fiebers, sondern vielmehr wie es Ihrem Kind dabei geht und was die Ursache des Fiebers ist.

Bei hohem Fieber sind die meisten Kinder schwach, müde und wollen nicht essen – dies bessert sich oft nach Gabe von fiebersenkenden Mitteln und nimmt nach Ende deren Wirkzeit wieder zu. Grundsätzlich können Sie dies in den meisten Fällen zunächst zu Hause geben und den Verlauf abwarten, der eigene Körper bekämpft viele Erkrankungen erfolgreich nach 2-3 Tagen.

  • Mit Kinder in den ersten 3 (bis 6) Monaten nach Geburt
  • Bei Fieber, das nach 3 Tagen nicht besser wird
  • Bei zusätzlichen Beschwerden wie zum Beispiel Hautausschlägen, starken Kopf-/Nackenschmerzen, Brennen beim Wasserlassen.
  • Bei allgemeiner Schwäche trotz Gabe von fiebersenkenden Mitteln und/oder Weigerung zu trinken.
  • Bei Vorerkrankungen
  • Wenn Ihr Kind zwar Fieber hat, sich ansonsten aber in gutem Allgemeinzustand befindet, sind fiebersenkende Medikamente nicht zwingend nötig.
  • Als fiebersenkende Mittel werden bei Kindern in erster Linie Paracetamol und Ibuprofen verwendet, beides steht als Saft oder Zäpfchen zur Verfügung und kann in jeder Apotheke auch ohne Rezept erworben werden. Alters-/Gewichtsbezogene Dosierung und Beipackzettel beachten!
  • Nachdem es 24h fieberfrei war
  • Faustregel: Wenn es sich einen Tag zu Hause so gefühlt bzw. so gespielt hat, als hätte es auch in Schule oder Kindergarten gehen können.

Erbrechen & Durchfall

Auch Magen-Darm-Infektionen treten bei Kindern oft auf. Meist erbrechen die Kinder besonders am ersten (und zweiten) Krankheitstag oft, im Verlauf kommt es dann zu Durchfall, gelegentlich mit Bauchschmerzen. Bis auf sehr wenige Ausnahmen kann man die Ursache der Erkrankung nicht behandeln, Stuhluntersuchungen sind daher selten sinnvoll.

Meist bessert sich das Erbrechen nach 1-2 Tagen, der Durchfall kann dagegen 1-2 Wochen anhalten. Medikamente gegen Erbrechen bringen meist keinen Vorteil, Medikamente gegen Durchfall können den Krankheitsverlauf sogar verschlechtern.

  • Falls ihr Kind zu schlapp ist zu trinken, sehr schläfrig ist oder über einen halben Tag keinen Urin ausscheidet.
  • Bei starken Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl oder Urin
  • Bei starken Kopfschmerzen und/oder schlechtem Allgemeinzustand
  • Bieten Sie Ihrem Kind viel zu trinken in kleinen Mengen/einzelnen Schlucken an - im besten Fall eine in der Apotheke erhältliche Elektrolytlösung, sonst Wasser, Tee oder stark verdünnten Saft.
  • Eine spezielle Diät ist nicht nötig, Ihr Kind darf essen, worauf es Appetit hat. Vermeiden sollten Sie nur besonders fettige Speisen, Säure (Obst) und zu viele Milchprodukte.
  • Gegen Bauchschmerzen hilft oft eine Wärmflasche
  • Magen-Darm-Infektionen sind SEHR ansteckend. Kinder unter 6 Jahren dürfen daher erst 48h = 2 Tage nach dem letzten Erbrechen oder Durchfall wieder in den Kindergarten.
  • Ältere Kinder, die selbstständig Hygienstandards, insbesondere bei Toilettenbesuch einhalten können, dürfen bei gutem Allgemeinzustand auch schon früher wieder in die Schule.

Husten & Schnupfen

Infektionen der oberen Atemwege sind die häufigsten Erkrankungen im Kindesalter und in den allermeisten Fällen durch Viren ausgelöst, die sich nicht durch Antibiotika behandeln lassen. Es ist dabei nicht selten, dass der Husten über mehrere Wochen anhält, was auch durch Medikamente kaum zu beeinflussen ist.

Pflanzliche Hustensäfte führen laut vielen Untersuchungen nicht zu einer schnelleren Heilung und sind daher verzichtbar, gleiches gilt für die Inhalation mit Kochsalzlösung.

  • Bei Atemnot und/oder "pfeifender Atmung" (wie Asthma/Bronchitis)
  • Bei allgemeiner Schwäche und Weigerung zu trinken
  • Bei zusätzlich hohem Fieber über 3 Tage
  • Bei Husten, der ohne Änderung (von trockenem Reizhusten zu feuchtem Husten mit Schleim oder umgekehrt) über mehr als 3 Wochen anhält.
  • Geben Sie Ihrem Kind viel zu trinken, gerne Tee mit Honig (kein Honig im 1. Lebensjahr!!!), da dies eine beruhigende Wirkung auf die Atemwege hat.
  • Schlafen bei kühler Luft und mit erhöhtem Oberkörper
  • Kurzzeitig abschwellende Nasentropfen – nicht länger als 5 Tage. Altersgemäße Konzentration und Dosierung beachten!
  • Falls Ihr Kind so stark an Husten oder Schupfen leidet, dass es selbst nicht normal spielen kann und/oder andere Kinder vom Spielen abhält, sollte es sich zu Hause noch einige Tage ausruhen.
  • Ansonsten dürfen Kinder trotz Husten und Schnupfen Kindergarten oder Schule besuchen.

Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen können als Begleiterscheinung bei Infektionen der oberen Atemwege auftreten, aber auch z.B. auf eine Entzündung des Mittelohrs oder des Gehörgangs hindeuten.

In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden von alleine nach 2-3 Tagen, auch eine Mittelohrentzündung heilt oft von alleine aus, auch ohne Gabe von Antibiotika.

  • Bei zusätzlich hohem Fieber und schlechtem Allgemeinzustand
  • Bei Ohrenschmerzen, die länger als 3 Tage anhalten
  • Bei Ausfluss aus dem Ohr
  • Ohrenschmerzen lassen sich meist gut mit Ibuprofen behandeln
  • Zusätzlich können Wärme oder Hausmittel („Zwiebelsäckchen“) Beschwerden lindern
  • Bei „verstopfter Nase“ geben Sie abschwellende Nasentropfen 3x täglich für bis zu 5 Tagen, da eine freie Nasenatmung die Abheilung einer Mittelohrentzündung verbessern kann.
  • Wenn Ihr Kinder sehr unter Schmerzen leidet oder Fieber hat, sollte es zu Hause bleiben.
  • Eine Ohrenentzündung ist nicht ansteckend, sodass Kinder, denen es sonst gut geht, Kindergarten oder Schule besuchen dürfen.

Hand-Mund-Fuß-Krankheit

Die Hand-Mund-Fußkrankheit ist eine durch Viren ausgelöste Infektion, die bei Kindern (selten auch bei Erwachsenen) Fieber sowie schmerzhafte Bläschen im Mund, an Händen, Füßen und im Genitalbereich auslösen kann - allerdings zeigen 80% der Erkrankten gar keine Symptome. Die Flüssigkeit in den Bläschen ist sehr ansteckend. Zudem wird die Erkrankung über Speichel und Hände übertragen.

Eine gezielte Therapie gibt es nicht, schwere Komplikationen sind selten, allerdings kann es zum vorübergehenden Verlust von Finger- und Zehennägeln kommen. Nach Abklingen der Symptome können die Erreger noch wochenlang über den Stuhl ausgeschieden werden.

  • Wenn ihr Kind sehr krank und die Diagnose unsicher ist
  • Bei schlechtem Allgemeinzustand, Trinkverweigerung
  • Gegen Fieber und Schmerzen im Mund hilft Ibuprofen oder Paracetamol, auch lokal schmerzlindernde Mundgels erhalten Sie in der Apotheke.
  • Kühle Speisen/Getränke werden oft besser angenommen als warme, vermeiden Sie säurehaltige Nahrungsmittel wie Obst oder Säfte.
  • Kinder mit Fieber sowie mit frischen Bläschen sollten zu Hause bleiben, bis diese abgetrocknet sind.
  • Da 80% der erkrankten Kinder keine Symptome zeigen und Erreger noch lange im Stuhl ausgeschieden werden, lässt sich eine Verbreitung im Kindergarten praktisch nicht unterbinden.

Bindehaut­entzündung

Bildet sich in den Augen weißliches oder gelbliches Sekret („Augen verklebt“), aber das Auge selbst bzw. die Bindehaut ist nicht oder nur wenig gerötet, dann handelt es sich oft nur um eine Reizung. Dies tritt häufig im Rahmen von Atemwegsinfektionen/Erkältungen auf, ohne dass es einer Therapie bedarf. Bei einer deutlichen Rötung ist eine Infektion möglich, die allerdings auch meist durch Viren und nicht durch Bakterien ausgelöst wird. Von daher ist eine Therapie mit Antibiotika nur selten nötig.

Auch eine Allergie kann Auslöser ähnlicher Symptome sein.

  • Wenn nach 2-3 Tagen keine Besserung eintritt
  • Bei vorausgehender Verletzung oder deutlicher Rötung nur eines Auges ohne Sekret
  • Bei Lichtempfindlichkeit/-scheu
  • Bei zusätzlich hohem Fieber und/oder Störung des Sehvermögens
  • Augen mehrmals täglich mit abgekochtem Wasser, abgekühltem Schwarztee oder Kochsalzlösung von außen nach innen reinigen.
  • Gegebenenfalls können Tränenersatzmittel eine Linderung verschaffen.
  • Reizungen der Schleimhäute, also auch der Bindehaut, sind im Rahmen von Atemwegsinfekten häufig. Deswegen ist ein Kind mit einer unkomplizierten Bindehautentzündung nicht vom Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung auszuschließen!!
  • Sollten wir bei ausgeprägter Entzündung eine antibiotische Therapie verordnet haben bei Symptombesserung, frühestens 24h nach Therapiebeginn.

Kopfläuse

Wenn Sie bei ihrem Kind einen Befall mit Kopfläusen feststellen, behandeln Sie dies mit einem in Apotheken frei verkäuflichen Medikament.
Außerdem müssen Sie Schule oder Kindergarten laut Infektionsschutzgesetz über die Erkrankung informieren.

Nachdem Sie die Behandlung mit einem Läusemittel gemäß Packungsbeilage durchgeführt haben. Ein Attest ist nicht erforderlich.